· 

Dieser Eine...In Marokko

Dieser Eine.. In Marokko

Die Überschrift könnte für diesen Trip nicht passender sein. In diesem Bericht werde ich Euch gewohnt ehrlich, so einiges über meinen Allein-Gang zum Fischen am Bin El Ouidane in Marokko erzählen.

Fangen wir bei der Anreise an

Ich buchte sehr kurzfristig einen Flug nach Marrakesch und bezahlte dementsprechend auch genug, vorallem, da ich über die Feiertage verreiste und ein zusätzliches Gepäck mitnehmen "musste". 
Über die Seite Morocco Carp buchte ich meinen gewünschten Aufenthalt und konnte schon mal 50kg Mais vorordern.

Angekommen in Marokko mit über 40 kg Gepäck erwartete mich da auch schon mein Deutscher Fahrer Joseph, feiner Kerl der schon eine lange Zeit am See wohnt und so einiges zu erzählen hatte über Land und Leute. Aufmerksam hörte ich ihm zu und staunte über so einiges! Mittlerweile war es schon dunkel und wir erreichten nach Mitternacht erst das Hotel/Basecamp (Fahrtzeit ca. 3.5 Stunden)! Ich pennte also die erste Nacht im Hotel und war natürlich voller Euphorie am nächsten Morgen!

Nach einer kurzen Lagebesprechung mit den Guides und einigen guten News, dass der See im Moment sehr tolle Karpfen zum Vorschein brachte für die Fischer, war ich also heiss und entschied mich den Platz Aghanbou Island zu befischen. Die Jungs packten alles Tackle auf die Karre und wir fuhren zum bestimmten Platz, kurzerhand stand das Zelt und das Boot war bereit zum Spots suchen.


Nun, jetzt kommen wir zu einem interessanten Thema:

Wer denkt, dieser See hat Struktur ohne Ende und man so einige verheissungsvolle Stellen vorfindet, wird eher enttäuscht sein, so war es auf jeden Fall auf meinem Platz! Bei meiner Anreise wurde erwähnt, dass dem See im Moment über 40m Wasser fehlt.. Dementsprechend waren die guten Spots absolut trockengelegt... Ich fand in ca. 350m Entfernung eine Kante die hochging von sehr tiefem Wasser auf in etwa 7 Meter.. klar hab ich da einen Marker gesetzt und mit 2 Ruten strategisch verteilt daraufgefischt.. Resultat: kein einziger Fisch in einer ganzen Woche... 😂🤦‍♂️

Na gut, inzwischen waren 2 erfolglose Tage rum und ich fing an umzudenken. Da ich normalerweise an meinen Heimatgewässern ausschliesslich Ufernah fischte, sollte dies hier doch auch klappen, dachte ich mir. Obwohl mir dies jeden Tag abgeraten wurde von den Guides und den hiesigen Fischern.. Resultat: mehr dazu später.

Gerne möchte ich noch darauf eingehen was man dort alles an Tackle gestellt bekommt und wie deren Zustand ist:

Mitnehmen muss man ausser einem verdammt warmen Schlafsack, Bissanzeiger/Swinger, Rollen und Kleinteile eigentlich nichts.
Vor Ort bekommt man ein undichtes Marokkanisches Wüstenzelt, dazu eine günstige Liege, dicke Knebel oder wie wir gepflegt sagen Ruten... Boot mit E-Motor und Echolot, Banksticks, Chemie-WC, Gaskocher, Essgeschirr, Gewürze uvm.

Essen/Verpflegung

Da möchte ich ein Lob aussprechen an den Koch: Jeden Tag ein frisches Gericht mit immer sehr zartem Fleisch, dazu kriegt man Eier, Tomaten, Thunfisch etc. und man kann sich echt satt essen daran und es schmeckt hervorragend. Auch hat man die Option auf einer Liste gegen Aufpreis diverse Sachen zu bestellen, sei es Bier, Snickers, Wiskhy, Cola, Zigaretten etc.

Zurück zur Uferrute: Ich zählte nun den Dritten Tag am See und war immer noch ohne Fisch.. Als ich Mittags in der sehr warmen Sonne ein kühles Bier trank, der absolut krassen Ruhe die am See herrschte zuhörte und einige Rufe aus den Bergen hallten "Allahu Akbar"(war bestimmt gerade Gebetszeit..), war ich zuversichtlich das die Rute die ich zuvor am Ufer in einer Distanz von ca. 30 Meter in gerade mal 2 Meter tiefes Wasser gelegt habe, Fisch bringen wird! Köder dazu war eine Tigernuss gepaart mit einem Fake-Mais. Ich bekam Nachmittags besuch von einem heimischen Fischer, der sich später als richtig mühsamer Bettler rausstellte. Der Typ sagte beim Verabschieden " Inshallah" zu mir, was so viel heisst wie "so Gott will" .. 

Danke an der Stelle für den guten Zuspruch... tatsächlich, nichtsahnend und schon frustriert von 3 Tagen blanken an einem der wohl fischreichsten Gewässer dass ich je beangelt habe, schrillte ein Dauerton aus meiner Funkbox. Ich rannte wie ein irrer aus dem Zelt und Leute: Die Zelte und Sonnensegel sind mit Zeltschnüren am Boden verankert... Die machen ganz schön weh wenn man durch diese hindurch rennen will 😂 Na gut, aufstehen und weiterrennen. Der Fisch machte ordentlich Druck, ich entschied mich mit der Wathose ins Wasser und dem Fisch entgegenzuwirken , jetzt bloss Ruhe bewahren. Dass ich beim ersten Kescherversuch zwar eine Menge Wasser oben in die Wathose bekam, da ich sicher schon auf über einer Tiefe von 1m stand, störte mich wenig. Denn der Fisch war im Kescher und mein lauter Freude-Schrei hörte ich in mehrfachen Echo über den Ganzen See. Und bestimmt hörten die mich bis hoch in die Vier-Tausender Berge. Und gleich was für ein krasser Schuppenkarpfen... Ich war over the Moon.

Leider blieb dies die einzige Perle während meines ganzen Aufenthalts, danach folgte eine ziemlich miese Wetterlage.. Wir hatten alles, von Minusgraden gepaart mit starken Windböen und Schneefall, undichte und sogar vom starken Wind zerstörte Zelte! Die Fotos sprechen für sich... Ich entschied mich dazu, die letzte Nacht im Hotel zu schlafen um mir eine warme Dusche und ein wohliges Bett zu gönnen.. Fehlanzeige, denn im Hotel gab es Stromausfall... Fast 24h lang, na toll, super Ende meines Trips 😂🤙🤦‍♂️ Der Manager von Morroco-Carp hat schnell gemerkt dass die Laune im Keller war, von mir und 3 anderen Fischern, die ihre Session abbrechen mussten da ihr komplettes Tackle und die Kleidung pissenass war. Kurzerhand lud er uns auf einen Drink ein, in das nur unweit gelegene 5 Stern Hotel Widane. Welch eine andere Welt das war... Normalerweise sitzt in der Lounge der König von Marokko oder andere stinkreiche Typen.. Nun, so sass ich da, natürlich in Jogginghose und schlürfte genüsslich an meinem kitschigen Green Hurricane Coktail. Ich bemerkte dass ich denselben Pullover trug, denn ich beim Fotografieren des Fisches anhatte...jeder sollte was davon haben und riechen dass ich nicht geblankt habe 😛 Ein toller letzter Abend war das!

Kurz erwähnen möchte ich, dass der See unberechenbar ist mit seinem wechselhaften Wetter. Fischereitechnisch bekommt man da ordentlich aufs Maul oder man erlebt eine Traumsession mit absoluten Sternstunden. So auch passiert meinen 2 Deutschen Nachbarn die nach einer Woche und glaub ich 3 Fischen jetzt ordentlich abräumen 🤙😎 Petrii weiterhin Jungs

"Manchmal ist das Eine dem Anderen schon sehr Nahe".

Ich ziehe ein sehr positives Fazit, das Land und die Leute haben mich sehr beeindruckt obwohl ich bedenken hatte in einem Muslimischen Land alleine zu Fischen. Ich fühlte mich aber zu jederzeit sehr sicher und wohl!

Der See ist spektakulär und überzeugt mit seiner Grösse, seinem tollen Wasser und dem grossartigen Karpfenbestand.
Es ist auf jeden Fall eine Reise Wert und es hört sich schon sehr verrückt an, in Nord-Afrika auf Karpfen geangelt zu haben!

Ich empfehle es absolut, wenn man die Marokkanische Gelassenheit, ihre Mentalität und die gewisse Portion Nerven und Ausdauer mitbringt. Ganz wichtig dabei, stellt keine zu hohen Erwartungen im Vorhinein.

Als letztes möchte ich einige wichtige Infos und Tipps an euch weitergeben!

1. In den Wintermonaten einen Winterschlafsack mitnehmen, dazu ordentlich warme Kleidung (es wird bitterkalt in der Nacht)
2. Unbedingt knallige PopUps und Fake-Maiskörner einpacken, die Karpfen stehen total drauf
3. Informiert euch im Vorfeld welche Plätze produktiv waren (es erspart euch tagelanges Anfüttern und Aussitzen bis die Fische am Platz sind)
4. Batterieklemmenkabel mit Adapter für Zigarettenanzünder mitnehmen, dass ihr eure Handys, Cams, Lampen etc. laden könnt
5. Wathosen oder hohe Stiefel sind zu empfehlen 
6. Vor Ort im Hotel eine Sim-Karte verlangen (Preis 10-15 Euro) damit ihr Internet habt.
7. Ufernahe Plätze die von über 20 Meter hochkommen auf ca. 2 Meter immer mit einer Rute befischen, die Spots sind noch nicht verbombt und bringen gute Fische.
8. Moven kann sofort Fische bringen, also nicht zu lange an "toten Plätzen" ausharren.

Ich hoffe, die Zeilen waren hilfreich und konnten einen kleinen Eindruck in einen sehr spannenden und nervenaufreibenden Trip geben


Kommentar schreiben

Kommentare: 0